Mit wegweisenden Therapien
komplexen Erkrankungen begegnen

MEIN (BERUFS-) LEBEN MIT ASTHMA:
EIGENINITIATIVE HAT FÜR MICH VIEL
VERÄNDERT

Wir stellen vor: Andreas, 43, verheiratet, hat zwei Kinder und kommt aus Berlin. An der Fachhochschule Potsdam hat er Interface Design studiert. Andreas lebt schon seit vielen Jahren mit Asthma. Mittlerweile die meiste Zeit sehr gut, doch das war nicht immer so. Im Blogbeitrag berichtet er über sein (Berufs-)Leben mit Asthma.




Anfangs habe ich die Diagnose nicht realisiert. Schon als Jugendlicher hatte ich immer wieder allergische Beschwerden. Ich bekam vor allem abends oder nachts diesen Husten. Als Hypersensibilisierungen nicht mehr halfen, führte mein Arzt verschiedene Tests durch und sagte mir, dass ich Asthma hätte. Das war 2008. Wirklich realisiert hatte ich die Diagnose damals aber nicht. Ich bekam ein Asthma-Spray verschrieben, welches ich bei Bedarf nutzte. Weiter beschäftigt hatte ich mich damit aber nicht.

Im Laufe der Zeit nahmen die Beschwerden zu und belasteten mich zunehmend. 2012 suchte ich meinen Arzt auf, der meinte, dass es sich dabei um Symptome meines Asthmas handele. Asthma? Ich hatte diese Diagnose so „gut“ ignoriert, dass ich in dem Moment ganz verdutzt war. Erst nach diesem Arztgespräch wurde mir ernsthaft bewusst, dass ich nicht nur eine Kreuzallergie entwickelt hatte, sondern auch Asthma.

Ich fing an, mich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, und nahm an einer Patientenschulung der Krankenkasse teil. Ich erhielt so ein Peak-Flow-Meter und lernte jede Menge über Asthma. Bei der Schulung wurde mir gesagt, dass das Asthma bei mir nie wieder weggehen wird, da ich schon erwachsen bin. Mir wurde klar, dass ich regelmäßig meine Medikamente einnehmen muss, wenn ich will, dass es mir besser geht.

Schritt für Schritt habe ich mich an das Thema Asthma herangetastet. Anfangs noch nicht so intensiv, aber irgendwann habe ich beschlossen, das Problem anzugehen und etwas zu tun. Ich habe mir umfassende Informationen besorgt, viel gelesen und mich mit anderen Asthmatikern ausgetauscht. Ich habe mich quasi selbst zum Laien-Experten für die Erkrankung gemacht.

Meine persönlichen Tipps:

Jeder Asthma-Patient ist eine individuelle Person und jeder benötigt seine eigene, für ihn passende Therapie, die vielleicht mit einem Medikament beginnt, aber nicht da endet. Es gibt viele Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden und positiv auf das Asthma einzuwirken. Was davon in das Leben des Einzelnen passt, sollte jeder für sich herausfinden.



So hat Asthma mein Berufsleben beeinflusst: Ich merkte, dass ich als Asthmatiker jeden Tag meine Lungenwerte, Medikamente, Wetter, Symptome usw. in einem Asthma-Tagebuch aufschreiben sollte. So erlangte ich einen Überblick über den Status des Asthmas und das half mir, es in den Griff zu bekommen.

Aber musste das so aufwendig sein? Als Interface Designer hatte ich bereits Erfahrung mit medizinischem Softwaredesign und fragte mich, ob das nicht einfacher und am besten digital ginge. Es entstand die Idee, etwas speziell für Asthma-Betroffene zu schaffen. Gemeinsam mit dem Produktdesigner Benedikt Gnadt und dem Informatiker Dr. Felix Mühlbauer gründete ich die Firma breazy-health GmbH. Wir entwickelten die App breazyTrack für iOS und Android, die uns Asthma-Patienten hilft, die Krankheit bequem zu managen. Unterstützt werden wir dabei unter anderem von namhaften Ärzten, die ihr medizinisches Know-how einbringen. Die Patientenperspektive bringe ich zusammen mit einer Vielzahl weiterer Betroffener ein.



Die Firmengründung war mit Asthma eine Herausforderung. Vor der breazy-health GmbH hatte ich bereits ein anderes Start-up gegründet, sodass ich mir sicher war, dass ich das noch einmal schaffen kann. Ich muss jedoch ehrlich zugeben, dass ich die Gründung eines medizinischen Start-ups unterschätzt hatte. Ich musste feststellen, dass der Stress und die Anstrengungen das Asthma negativ beeinflussten. In einigen Phasen hat es sich dann auch verschlechtert. Seitdem beschäftige ich mich viel damit, wie ich besser mit Stress umgehen kann. Wenn ich Stress habe, merke ich, dass meine Atmung sich verändert und ich Atemnot bekomme. In solchen Situationen helfen mir meine Atemübungen wie Lippenbremse, Kutschersitz, Gähnen tut gut und andere. All diese Übungen haben wir in breazyTrack zum einfachen Üben integriert.

In Büros spüre ich sofort, ob die Räume überhitzt oder staubig sind, jemand Dufterfrischer nutzt oder mit Chemikalien arbeitet. Dadurch fangen meine Augen an zu tränen und ich muss gelegentlich husten. Ich achte dann vor allem auf die Luftfeuchtigkeit und öffne zeitnah ein Fenster, wenn es eines gibt. Wir haben in unserem Büro beispielsweise keine Klimaanlage – was im Sommer etwas beschwerlich, für mein Asthma aber im Jahresmittel gut ist. Es kam auch schon vor, dass Blumen oder stark duftende Pflanzen bei mir allergische Reaktionen ausgelöst haben – deshalb versuche ich, auf solche Pflanzen im Büro zu verzichten.

Mehr über mich und meine Erkrankung zu lernen, treibt mich an.
Durch die Entwicklung der App habe ich sehr viel über die Erkrankung und mich gelernt bzw. tue es immer noch. Gleichzeitig versuche ich damit, anderen Menschen zu helfen. Das motiviert mich jeden Tag.

MAT-DE-2101811-1.0 (05/2021)